Nieder mit der Zens…. – Mit picidae durch die Firewall

Das Kunstprojekt von Christoph Wachter und Mathias Jud “Picidae” versucht jede Internetzensur zu durchbrechen.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Das dahinterliegende Programm erstellt von jeder aufgerufenen Webseite einen Screenshot, sodass dem anfragenden Rechner keine (leicht filterbaren) Klar-Textdaten übermittelt werden, sondern ein PNG- Imagefile auf dem zusätzlich die Links erhalten und anklickbar bleiben. Seiteninhalt, Seitentitel, Bildername, Links etc. benennt picidae willkürlich. Die “Verschlüsselung” der Abfragen erfolgt mittels Java-Script. In näherer Zukunft soll es verschiedene sogenannter pici-Server geben, sodass deren Adressen nicht ohne weiteres beblockt werden können. Das Script sowie ein Quelltext für die Erstellung eines Proxy-Servers sind für jeden leicht zu installieren und auf der Projektwebsite downloadbar. Den Praxistest in China hat Picidae übrigens bereits bestanden.

Das Projekt ist nicht nur für chinesische Surfer interessant: Bei der berechtigten Anklage chinesischer Zensur wird meist “vergessen”, dass auch in Europa bereits heute das Internet kräftig zensiert wird: So sind beispielsweise in der BRD bestimmte Nazi- Webpages nicht erreichbar genauso wie über die Sperrung gewisser gewaltverherrlichender Seiten zumindest diskutiert wird. Natürlich vermisst solche Seiten niemand wirklich, doch gilt bei der Filtertechnik dasselbe wie bei jeder Technologie: Ist sie mal vorhanden, wird sie auch rege genutzt. Ausserdem darf der Zugang zu Informationen -so krank, kriminell oder menschenverachtend sie im Einzelfall auch sein mögen- nicht verhindert werden. Demokratie und freie Meinungsbildung würden zur Farce.

Ein weiterer Punkt ist, dass dieses entstehende Netz auch die Möglichkeit zum anonymen Surfen bereitstellt: Jedenfalls wird zumindest der Betreiber der angesurften Webseite nicht erfahren können, wer der Besucher war.

Zentraler Schwachpunkt und Achillesferse des Projektes könnten aber genau diese Übermittlung mit Imagefiles sein, die zur Zeit noch die Zensur umgehen: Programme zum Herauslesen von abgebildeten Texten sind weit fortgeschritten und sind bereits preisgünstig von jedem erwerbbar.

Ich hoffe, dass der Antrieb ausreicht, auch diese Hürde zu nehmen und dass einige Leser wie ich dem Projekt zumindest einen Proxyserver bereitstellen. Denn (Informations-) Freiheit ist unbezahlbar.

Ab durch den Firewall!

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